Internationaler Kunstkritikerverband, Sektion der BRD



No Showing of Flick Collection without a Critical Parallel Exhibition

AICA zur Berliner Präsentation von Friedrich Christian Flicks Kunst-Sammlung

Der Internationale Kunstkritikerverband (AICA) hat sich dafür ausgesprochen, die Werke der Flick-Collection im Berliner Museum für Gegenwart nicht ohne ein eigenständiges kritisches Begleitprogramm zu zeigen. Dazu gehöre auch eine autonome dokumentarische Ausstellung. Die AICA richtete ihren Appell gleichermaßen an den Berliner Senat, die Stiftung preußischer Kulturbesitz und die Generaldirektion der Staatlichen Museen zu Berlin.

AICA-Präsident Walter Vitt erklärte in Köln, die deutsche AICA-Sektion stimme mit den Argumenten des Fördervereins Dokumentation Zwangsarbeit überein, dass die Flicksche Kunstsammlung nur dann Teil der Berliner Kulturlandschaft werden dürfe, wenn sie auch den historischen Hintergrund und die besondere Verantwortung beleuchte, die mit dem Namen Flick verbunden seien.

Es könne nicht darum gehen, die Flick Collection aus der Öffentlichkeit fernzuhalten, aber es sei notwendig, zeitgleich ein kritisches Forum zu schaffen, um die Familiengeschichte der Flicks und die Verstrickung des Unternehmens in die Verbrechen des nationalsozialistischen Reiches darzustellen sowie die Ausbeutung von Hunderttausenden von Zwangsarbeitern zu dokumentieren.

Das Begleitprogramm darf nach Auffassung der AICA keinesfalls auf eine umfassende dokumentarische Ausstellung zur Frage der Zwangsarbeit und der Kollaboration des Unternehmens mit den NS-Machthabern verzichten. Der Kunstkritikerverband erwartet vom Berliner Kultursenator Thomas Flierl, dass er mit dem Konzept des Begleitprogramms unabhängige Experten beauftragt.

Die zuletzt geäußerte Absicht, demnächst eine Studie beim Münchner Institut für Zeitgeschichte in Auftrag zu geben und in einer Ausstellungszeitung ein "tabuloses Gespräch" zwischen Kurator Eugen Blume und dem Sammler zu veröffentlichen, seien erste kleine Schritte der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, ihrer Verantwortung gerecht zu werden, heißt es in der AICA-Erklärung. Leider seien die Mitwirkung der Flick-Familie und der Zeitpunkt der Fertigstellung der Studie aber völlig offen, so dass unverändert damit zu rechnen sei, dass die jetzt in das Museum für Gegenwart eingebundene Friedrich Christian Flick-Collection ohne die in der Öffentlichkeit geforderte Darstellung des historischen Hintergrundes und der besonderen Verantwortung präsentiert werde.

Cologne, 15.06.2004


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