Internationaler Kunstkritikerverband, Sektion der BRD



Georg Jappe zum Gedenken


Georg Jappe zum Gedenken / Von Horst Richter

                                         See meiner klarsten Verse
                                         Heute nach Jahren
                                         Nicht ein Gedanke.
                                               G. Jappe, Haikubuch, 1981

Die zahlreichen Nachrufe von Freunden und Kollegen haben es bestätigt. Georg Jappe, der am 16. März 2007 gestorben ist, war ein vielseitig begabter Wegbegleiter der Moderne, ein erfolgreicher Kritiker und Künstler zugleich. 1936 in Köln geboren, 1961 nach Studium in Frankfurt/Main, Paris und Wien promoviert, hat er mit kaum begrenztem Engagement zwei Berufswege beschritten. Den einen als Schriftsteller im quasi naturkundlichen Bereich, in dem er seine „optische und akustische Poesie" auf ornithologischen Spuren zu einer stattlichen Reihe bibliophil geprägter Publikationen führte, und den anderen als freier Literatur- und Kunstkritiker, der ihm zu internationalem Ansehen verhalf.

Zunächst tätig als externer Hörspiellektor für den Westdeutschen Rundfunk in Köln, schrieb er von 1964 an für den „Kölner Stadt-Anzeiger", zwei Jahre später bis 1975 für das Feuilleton der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung", danach für „Die Zeit" und verschiedene andere Periodika. Nach Lehraufträgen für Kunst und Literatur an der Gesamthochschule Essen ging er 1976 an die Hochschule für bildende Künste in Hamburg, wo er ein Vierteljahrhundert lang als Professor für Ästhetik den Studenten wie den jüngeren Kollegen seine Sicht auf die Welt, speziell auch auf die Überschneidungen von Kunstgeschichte und Ethnographie vermittelte. Ebenfalls 1976 hatte er sich in Köln an der Gründung des Internationalen Künstlergremiums (IKG) beteiligt.

Mitglied der bundesdeutschen Sektion des Internationalen Kunstkritikerverbandes (AICA) wurde Jappe 1969. Schon bald gehörte er deren Vorstand an (bis 1992) und war zudem auch zweimal Vizepräsident der internationalen AICA (1980-83 und 1985-88). In beiden Gremien engagierte er sich nicht nur für eine angemessene Präsentation der Kunst in der Öffentlichkeit, vor allem der modernen Kunst, sondern auch für deren gesellschaftliche Funktion über den kulturellen Bereich hinaus. Jappe: „Die AICA war ein Vorreiter der Ost-West-Entspannung. Was mich an ihr interessierte, war die Möglichkeit, ein kunstpolitisches Instrument einzusetzen". Dabei ging es ihm nicht zuletzt darum, der Kunstszene des eigenen Landes internationale Anerkennung zu verschaffen. In den Jahren seiner entsprechenden Zuständigkeit bemühte er sich nachhaltig, den Dialog zwischen den verschiedenen ideologischen und theoretischen Blöcken auf internationaler Ebene voranzubringen.

Als Vertreter der deutschen Sektion nahm er mit eigenen Beiträgen an AICA-Kongressen in Oslo, Amsterdam, Paris, Dresden, Brüssel, Helsinki, Berlin, Warschau, Dublin und Moskau teil, was ihm immer wieder nachhaltige Aufmerksamkeit eintrug. Auf dem internationalen AICA-Kongress 1977 in Köln referierte er über „Methoden der Kunstkritik - wo sind sie?" anhand von fast 700 Medientexten über die documenta 6. Sein Fazit: „Hätte ich geahnt, in welch deprimierende und erschreckende Lektüre ich mich da begebe, ich hätte mir ein konstruktiveres Thema einfallen lassen". Schönschweigen war seine Sache nicht.

Gestorben ist Jappe nun im niederrheinischen Kleve, dem Heimatort von Joseph Beuys, mit dem ihn ein progressives Kunstengagement verbunden hatte.

KÖLN, im März 2007

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Köln, im März 2007
Horst Richter


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