Internationaler Kunstkritikerverband, Sektion der BRD



Wiederbegegnung mit Heinz Ohff

Als er sich 1987 in den „Ruhestand" zurückzog - er lebte und schrieb danach zumeist in St. Ives in Cornwall -, verlor Berlin einen Kunstkritiker von hohem Rang, verlor Berlin den „Friedrich Lufft der Bildenden Kunst".

26 Jahre lang hatte Ohff im Berliner „Tagesspiegel" das Kunstleben der Stadt beobachtet und kenntnisreich, engagiert und pointiert begleitet. Er war einer der ersten Feuilletonchefs in Deutschland, der nicht Theater- oder Literaturkritiker, sondern Kunstkritiker war. Er gehörte zur AICA, aber auch dem PEN-Club und dem Verband der deutschen Kritiker an, dessen Vorsitzender er viele Jahre gewesen ist.

Jetzt ermöglicht ein in Berlin in den Polleditionen erschienenes „Lesebuch Heinz Ohff" die Wiederbegegnung mit vielen seiner Kritiken, aber auch mit seinen Feuilletons und literarischen Texten (Hg. Ekhard Haack und Lothar C. Poll; Vertrieb: order@infopress-berlin.de). Seine schnörkellosen Texte können uns Kritikern immer noch als Maßstab dienen und manchem Zweifler an moderner Kunstpraxis unverändert eine wichtige Verständnishilfe sein. Er formulierte stets eindeutig - ob positiv oder negativ. Über Baselitz urteilte der 1963 klipp und klar: „Wen, um Himmels willen, will man mit diesen mittelmäßigen Malereien provozieren?" Über Gerhard Richter schrieb er 1966: „Im übrigen ist er einer der begabtesten jungen Maler in Deutschland". Zum Werk des Thüringers Altenbourg heißt es 1964 bei Ohff: „Ob man [in Thüringen] weiß, wie nötig man eines Tages Künstler wie Altenbourg haben wird, wenn man auch im Osten Deutschlands wieder Anschluss gewinnen will an die Kunst nicht notgedrungen des Westens, sondern des Ostblocks?"

Heinz Ohff gehörte noch zu den „lupenreinen" Kritikern, zu denen, die nicht - wie heute durchaus üblich - zugleich als Kuratoren wirken, er betrachtete das Gegenüber als tatsächliches Gegenüber - nach dem Motto: Mach Du Deine Sache, ich mache meine. Als er zum Abschluss seiner Kritikerkarriere dann in der Staatlichen Kunsthalle Berlin 1987 doch eine Ausstellung kuratierte und seine „höchst persönliche Quintessenz" (Ohff) zog, entschuldigte er sich wortreich im „Tagesspiegel", um dann zu den Sätzen zu finden: „Was kann mir passieren? Das Schlimmste wäre, dass ich meine eigene Ausstellung nicht gut finde und sie am liebsten kräftig verreißen möchte. Das wird dann der eine oder andere Kollege von mir besorgen, und sicher nur allzu gerne".

Heinz Ohff starb 2006 in Berlin, 83jährig. Auf der Trauerfeier sagte Ekhard Haack über die Arbeit des gebürtigen Eutiners u.a.: „Er wurde wider Willen zum ‚Kunstpapst Berlins', - nicht, weil er Meinungen zum Dogma erhob, sondern weil die Künstler ihm vertrauten. Artikel von Ohff erschienen den Künstlern als Taufe durch Kritik".


 

Köln, im August 2007
Walter Vitt


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