Internationaler Kunstkritikerverband, Sektion der BRD



Evelyn zu Grabe getragen



Wir haben Evelyn Weiss beerdigt. Es war am feuchtkalten 19. November, einem Montag, das Thermometer zeigte 2 bis 3 Grad plus. Es regnete vor der Trauerfeier und nach der Beisetzung, aber zum Grab und vom Grab kamen wir alle ohne Schirme aus.

Evelyn liegt auf dem wunderschönen Waldfriedhof Heiderhof in Bad Godesberg, hoch über dem Rhein, ganz in der Nähe ihres letzten Zuhauses. Die Trauerhalle konnte die Gäste nicht fassen, viele standen vor der Tür. Von den hiesigen Künstlern sah ich Gina Lee Felber und Renate Goebel, Jürgen Klauke und Ansgar Nierhoff, Martin Noel, Igor Sacharow-Ross, HA Schult, den jungen Cornel Wachter. Beim Totenschmaus saß ich neben der Malerin Rissa, die mit dem 93jährigen K.O. Götz, ihrem Mann, aus Niederbreitbach angereist war. Rissa berichtete, Evelyn hätte zuletzt eine Ausstellung mit Künstlerinnen geplant, ein Projekt, das jetzt wohl nicht mehr stattfinden werde.

Von den Museumsleuten (und Ex-Museumsleuten) gaben ihr u.a. Kasper König (Museum Ludwig), Wolfgang Becker (Aachen), mit dem Evelyn in erster Ehe verheiratet war, Rolf Wedewer (Leverkusen), Wenzel Jacob (Bonn) und Dieter Ronte (Bonn) das letzte Geleit. Ronte, der nach dem evangelischen Pfarrer sprach, nahm sich ganz zurück und zitierte Passagen aus einigen wichtigen Aufsätzen Evelyns und kommentierte diese gelegentlich. Am Grab wurden keine Reden mehr gehalten.

Noch nie sind der deutschen AICA von den Repräsentanten anderer AICA-Sektionen weltweit so viele Kondolenz-Adressen zugegangen wie jetzt nach Evelyns Tod. Sie zeigen, wie sehr sie mit ihrer Kompetenz, ihrem Charakter, ihrer gewinnenden Wesensart Freunde in aller Welt gewonnen hat - für sich, aber auch für die deutsche AICA. Stellvertretend für alle Kolleginnen und Kollegen, die dem deutschen Präsidium, der internationalen AICA und der Familie von Evelyn ihre Trauer bekundet haben, möchte ich Lisbeth Rebollo Gonçalves aus Brasilien zitieren; „I am really very sorry with this sad message. Evelyn Weiss was a wonderful person and extraordinary colleague. We will miss her very much".

Vor allem dem deutschen AICA-Präsidium wird sie sehr fehlen. Sie hat das vierköpfige Gremium insbesondere mit ihren international wirkenden Tätigkeiten über Jahre hinweg hervorragend ergänzt, ohne je Präsidiumsmitglied in Deutschland gewesen zu sein. Zuletzt hat sie noch überlegt, zu kandidieren, um die erste Präsidentin der deutschen AICA werden, doch hat ihr ihre schwere Krankheit diesen Weg schließlich unbegehbar gemacht. Marie Luise Syring, Generalsekretärin der deutschen AICA, schreibt in Ihrem Trauerbrief an mich: „Keiner konnte so brillante Protokolle schreiben wie sie, und niemand wusste die Inhalte einer Tagung so schlüssig zusammenzufassen, wie sie es vermocht hat." Und auch von AICA-Vizepräsident Peter Herbstreuth erreichte mich ein Kondolenzbrief, in dem er an Evelyns internationales Wirken erinnert, das er vor allem auf dem Kongress in Ljubliana 2005 erlebt hat, und fügt hinzu: „Deshalb hatte ich keine Schwierigkeiten, sie mir als Ihre Nachfolgerin [als AICA-Präsidentin] vorzustellen".

Traurige, bittertraurige Gefühle - aber schon übers ganze Jahr 2007: die deutsche AICA hat 2007 viele profilierte Mitglieder durch den Tod verloren - erst den ebenfalls international versierten Georg Jappe, dann den noch jungen Harald Fricke aus Berlin und Klaus Flemming aus Mönchengladbach, den wir erst wenige Monate vorher aufgenommen hatten, es folgten Erhard Frommhold aus Leipzig und Helmut R. Leppien aus Hamburg (ein Neffe des deutsch-französischen Malers Jean Leppien) und jetzt Evelyn Weiss-Ott. Ihnen allen werden wir ein ehrendes Gedenken bewahren.


 

Köln, im November 2007
Walter Vitt


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