Internationaler Kunstkritikerverband, Sektion der BRD



Zum Tod von Klaus Werner



Grün ist die Hoffnung
Zum Tod des Kunstwissenschaftlers Klaus Werner

Klaus Werner war nicht abergläubisch. Aber dass die Farbe Grün Hoffnung und Zuversicht bedeutet, das hat er schon geglaubt. Der in Berlin, Neubrandenburg und Leipzig für Kunst und Künstler rastlos Aktive hatte als Symbol die Tür zu seinem mit Kunst vollgestopften Büro der Berliner Galerie Arkade am Strausberger Platz grün gestrichen. Darauf verewigten sich seine Künstler mit ihrer Signatur. Die Tür hängt jetzt in der Akademie der Künste am Pariser Platz.
Vergangenen Herbst erst war dem nachhaltigen Engagement des ostdeutschen Kunsthistorikers, umtriebigen und zivilcouragierten Kunsthandelsgaleristen, Hochschulrektors und Freund der Künstler eine Ausstellung in der Berliner Galerie Parterre gewidmet, ihr Titel: "Die grüne Tür". Die Ausstellung schöpfte aus dem Archiv Werners, das er noch zu Lebzeiten der Akademie der Künste Berlin vermacht hatte. Ausgestellt waren die Bilder namhafter Maler aus dem deutschen Osten, die der in Chemnitz aufgewachsene Werner gefördert und ermutigt, für die er sich mit den ängstlichen, misstrauischen oder demagogischen DDR-Kulturfunktionären nicht selten herumgestritten hatte und wofür ihn die Staatsmacht denn auch mehrmals gerügt, sogar aus dem Amt entlassen hatte.
Werner nämlich setzte sich rückhaltlos gerade für nichtkonforme, von der staatlichen Kunstpolitik weitestgehend ignorierte oder behinderte Künstler ein, etwa für den Zeichner-Philosophen Carlfriedrich Claus, den Op-Artisten Horst Bartnig, für den Mail-Art Künstler Robert Rehfeldt und für die kritischen Maler Wolfram A. Scheffler oder Hans Hendrik Grimmling. Und für die ideologieabgewandte, auch melancholische sogenannte Berliner Schule um Arno Mohr und Harald Metzkes. Dafür nahm Werner so manche unangenehme Maßregelung in Kauf. Etliche der noch lebenden Künstler, die, wie Grimmling, ausgebürgert wurden, sagen heute, Werner sei für sie eine Lichtgestalt gewesen, ein Kunstgefährte mit Anstand, Würde und Courage.
Am Dienstagabend kam die Nachricht vom Tod des einstigen Gründungsdirektors der Galerie für Zeitgenössische Kunst (GfZK) und des mutigen Rektors der Hochschule für Grafik und Buchkunst (HGB) in Leipzig von 2000 bis 2003. Klaus Werner wurde nur 69 Jahre alt.
Er war zunächst Referent im DDR- Kulturministerium, dann Initiator des Projekts VEB Zentrum Bildende Kunst in Neubrandenburg und Chef der Druckwerkstätten der Hochschule für Bildende und Angewandte Kunst Berlin-Weißensee, ehe er Galerist von Arkade in Berlin und Chef einer beargwöhnten Künstler-Genossenschaft wurde. Noch vor der Übernahme durch den Staatlichen Kunsthandel 1975 avancierte die Arkade zu einem Treffpunkt von Außenseitern und deren Anhängern. 1981 wurde Werner wegen "öffentlicher Propagierung künstlerischer und politischer Auffassungen im Widerspruch zur DDR-Kulturpolitik" entlassen. Er konnte auf 67 Einzelausstellungen zurückblicken, die noch heute fest in der Erinnerung jener Generation von Künstlern und Publikum sind, für die Werner Weggefährte, Förderer und nachhaltiger Vermittler war.
Klaus Werner hatte sich 2003 aus dem öffentlichen Leben völlig zurückgezogen, die Ärzte hatten bei ihm Alzheimer-Symptome festgestellt. In den letzten Jahren verschlechterte sich sein Zustand rapide; der hochintelligente, leidenschaftliche Mann der Kunst lebte nur noch in seiner eigenen Welt. "Er gehörte zu meinen frühesten Förderern und ich verdanke ihm unendlich viel", so der Maler Neo Rauch. "Klaus war eben kein Ideologe, kein Mann des Richtungsstreits, sondern ein Eigentümlichkeitsforscher mit feinem Gespür für die Entwicklungsanlagen des Besonderen. Ich habe auch einen guten Freund verloren."
Im Kunstverlag Walther König erschien 2009 das Buch "Klaus Werner. Für die Kunst".

Aus der Berliner Zeitung , Donnerstag 14. Januar 2010

Wir danken Ingeborg Ruthe und der Berliner Zeitung für die Erlaubnis, diesen Text in unsere Website übernehmen zu dürfen.

Berlin, 15.01.2010


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