Internationaler Kunstkritikerverband, Sektion der BRD



Kongress der Internationalen AICA 2013

Hier die ersten Reaktionen auf einen Kongress, bei dem die Rückkehr der Kunstkritik angekündigt wurde!

Einen Bericht von Lisa Streitfelt in der Huffington Post
über den Kongress der Internationalen AICA in der Slowakei und Polen finden Sie unter:

http://www.huffingtonpost.com/ lisa-paul-streitfeld/ revolution-across-central_b_403 1805.html?utm_hp_ref=arts

Sie können außerdem den Kommentar von James Elkins, einem der Key-Speaker des Kongresses, lesen, unter:

 
und hier die Zusammenfassung von Belinda Grace Gardner:

Licht ins Dunkle werfen

Der 46. internationale AICA-Kongress blickte in Kosice und Bratislava auf „weiße Flecken“ und „schwarze Löcher“ der Kunstrezeption jenseits der westlichen Zentren

Der diesjährige Kongress des internationalen Kunstkritikerverbands AICA tagte jetzt vom 24. bis 27. September in der slowakischen Republik: einer Region, die immer wieder von massiven geopolitische Verschiebungen und neuen Grenzziehungen aufgerüttelt worden ist. Die Nachwirkungen der sozialistischen Ära sind hier ebenso virulent wie die turbokapitalistischen Beschleunigungen, die nach dem Fall des Eisernen Vorhangs viele Länder Mittel- und Osteuropas erfasst haben. Ganz bewusst hatten deshalb Juraj Carny und Richard Gregor (Präsident und Vize-Präsident der AICA-Sektion Slowakei) samt Team als Ausrichter die Phänomene „White Places – Black Holes“ zum Thema der 46. Ausgabe des AICA-Kongresses gemacht. Die „weißen Flecken“, die als Terra incognita aus kartografischen Rastern herausfallen, und die „schwarzen Löcher“ im All, aus denen keinerlei Licht hervortreten kann und deren Auswirkungen nur indirekt zu beobachten sind, taugen als Metaphern für eine Untersuchung der westlichen Rezeption von Kunst, die in den so genannten Peripherien entsteht, und der reziproken Reflexion des westlich-globalen Kunstgeschehens durch Betrachterinnen und Betrachter an dessen Rändern. Getagt wurde in Kosice, neben Marseille europäische Kulturhauptstadt 2013, und in der slowakischen Kapitale Bratislava: beides Städte, die sich selbst gegenwärtig in starken Wandlungen befinden und sich zwischen dem spezifisch eigenen kulturellen Erbe und der global expandierenden Geschichtsschreibung der westlichen Konsumgesellschaften zu positionieren suchen.

Zuletzt war der AICA-Kongress 1966 in der Gegend zu Gast: in Prag, damals noch Hauptstadt der Tschechoslowakei. Zum Nebenschauplatz in Bratislava reiste seinerzeit der bekannte französische Kunstkritiker, Kulturphilosoph und Begründer der Nouveaux Réalistes Pierre Restany samt prominenten Kritikerkollegen an. Ein legendär gewordener Teil der Tagung fand im Sinne eines subversiven Statements in öffentlichen Bedürfnisanstalten statt. Die Kunstkritik als radikale Form der freien Meinungsäußerung hat heute an Impetus verloren: So lautet eine der Thesen des Kunsthistorikers und Medientheoretikers James Elkins, der als prominenter Sprecher aus Chicago zum Kongress eingeflogen wurde. Er gehörte zu über zwanzig Vortragenden, die aus Ungarn, Polen und der Ukraine, aus Südafrika und China eingeladen waren, das komplexe Zusammenspiel zwischen dem „Eigenen“ und dem „Anderen“, der originären Produktion und Rezeption von Kunst und der Kolonialisierung des Blicks und der künstlerischen Praxis durch die hegemoniale Übermacht des weltumfassenden Westens zu beleuchten. Dass heute gerade in den reibungsreichen Spannungsfeldern jenseits der ausgetretenen Pfade des globalen Kunstmarkts neue Ausdrucksformen und Initiativen aufregende Wege beschreiten, das Feld der Kunstkritik selbst auch an frischer Energie gewinnt, war eine wesentliche Erkenntnis des Kongresses. Eine weitere war, dass in der nahen Ferne Mittel- und Osteuropas noch ein ganzes Parallel-Universum ästhetischer Entwicklungen der Entdeckung harrt. Momentan begeben sich junge Künstlerinnen und Künstler, Kunstkritiker und –theoretiker dieser Regionen selbst auf eine Entdeckungsreise und Neubewertung der eigenen (Kunst-)Geschichte. Deutlich wurde, dass die „weißen Flecke“ und „schwarzen Löcher“, die bislang noch weitgehend links liegen gelassenen angeblichen Peripherien abseits der globalen ökonomischen Netzwerke dabei sind, die pulsierenden Zentren von morgen zu werden.

 


 

 


Düsseldorf, 09.10.2013
Marie Luise Syring und Belinda Grace Gardner


©  AICA-Sektion der Bundesrepublik Deutschland.  Impressum  /  Emails

Konzept der Website: uinic - Kunst- und Webprojekte, Binder / Haupt