Internationaler Kunstkritikerverband, Sektion der BRD



Schwerin ist „Museum des Jahres“ / Erstmals keine „Ausstellung des Jahres“

Zum „Museum des Jahres 2005“ haben die Mitglieder der deutschen AICA-Sektion das „Staatliche Museum Schwerin“ gewählt. Auf ihrer Mitgliederversammlung am 27. Oktober würdigten die in Köln versammelten Kunstkritiker mit ihrer Entscheidung ein Haus, das sich, so die Begründung, „auf der Basis einer außergewöhnlichen Sammlung alter Kunst durch systematische Ausstellungen und gezielte Ankäufe auch das schwierige Terrain einer konzeptuell geprägten Moderne erobert hat“. Weiter heißt es in der Entscheidung, in Schwerin sei es einer engagierten und weitsichtigen Museumsleitung gelungen, die kulturelle Verankerung des Museums in der Region in dem Maße zu vertiefen, wie es erreicht worden sei, seine überregionale Ausstrahlungskraft zu stärken.

Das Prädikat „Ausstellung des Jahres“ wurde in diesem Jahr nicht zuerkannt. In der Abstimmung ergab sich für keine der infrage kommenden Ausstellungen ein nennenswerter Vorsprung an Stimmen. Es ist das erste Mal, dass der Kritikerverband auf die Vergabe dieser Auszeichnung verzichtet.

Stiftung Moritzburg in Halle erhält Würdigung „Besondere Ausstellung“
Zur „Besonderen Ausstellung 2005“ kürten die Kritiker die Schau „Max Beckmann seiner Liebsten – ein Doppelporträt“ der Stiftung Moritzburg in Halle an der Saale. Die Ausstellung dauert noch bis zum 27. November 2005 und geht dann nach Berlin. Die Kritiker würdigen an dieser Ausstellung gleichermaßen Werkkenntnis, Auswahl der Leihgaben, Begleit-Publikation und Katalog. Es handele sich in Halle um ein „Musterbeispiel, wie aus phantasievoller Werkkenntnis, intensiver Recherche, aus einem kleinen eigenen Bestand und wählerischem Umgang mit Leihgaben eine ansprechende Ausstellung werden kann.“ Das „Doppelporträt“, das eine schwierige Liebesgeschichte erzähle und eine wenig bekannte Malerin – Minna Beckmann-Tube – in ihrem Freundeskreis zeige, sei nicht einfach eine weitere Beckmann-Ausstellung.

Einsatz für den Erhalt der Bergisch Gladbacher Galerie
In einem Appell an die Stadt Bergisch Gladbach setzte sich die AICA-Mitgliederversammlung dafür ein, die Städtische Galerie Villa Zanders nicht – wie beabsichtigt – aus Kostengründen zu schließen. In der Erklärung wird hierzu weiter ausgeführt, mit dem Ende der Villa Zanders verlöre nicht nur diese junge Großstadt, sondern der gesamte Rheinisch Bergische Kreis den einzigen musealen Mittelpunkt für zeitgenössische Kunst dieser Region. Die Städtische Galerie in Bergisch Gladbach habe sich im großen Schatten der benachbarten Kunstmetropole Köln in 20 Jahren Aufbauarbeit ein eigenständiges Profil erarbeitet, das im Interesse der Bürger nicht leichtfertig aufs Spiel gesetzt werden dürfe. Sichtbares aktuelles Beispiel dieser Profilierung sei die gegenwärtige Ausstellung der Druckgrafik von Wolf Vostell, dessen druckgrafisches Werkverzeichnis bei dieser Gelegenheit von der Bergisch Gladbacher Galerie erarbeitet worden sei, ein Verdienst, das weit in die Zukunft hineinwirke.

Köln, im Oktober 2005
WALTER VITT


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