Internationaler Kunstkritikerverband, Sektion der BRD



Die Schweriner Breker-Ausstellung sollte geschlossen werden

Von AICA-Mitglied Christoph Zuschlag

Ich bin grundsätzlich dafür, Werke von Arno Breker öffentlich zu zeigen - aber nicht so, wie es gegenwärtig in Schwerin passiert und wie ich es dort mit eigenen Augen gesehen habe. Das hat nichts mit Zensur zu tun, sondern mit der Unangemessenheit, mit der hier ein politisch-historisch heikler Gegenstand behandelt wird.

Die Ausstellung will »zur Diskussion stellen«, aber sie legt es gar nicht wirklich auf eine Diskussion an. Die Ausstellung sei - so ihr Kurator Rudolf Conrades - »in keiner Weise als Breker-Apologie, geschweige denn als Breker-Apotheose gemeint oder zu verstehen«. Es solle »nichts verharmlost und schon gar nichts verherrlicht werden« (S. 24). Aber genau dies ist der Fall, wenn man die Rhetorik von Ausstellung und »Begleitband« (es ist in der Tat kein Katalog, denn ein Verzeichnis der Exponate fehlt) analysiert. Zunächst fällt auf, dass in der Publikation nicht etwa einschlägige Experten auf dem Gebiet der Plastik im 20. Jahrhundert bzw. der Kunst im Nationalsozialismus als Autoren erscheinen, sondern zwei Kunsthistorikerinnen, als deren Forschungsschwerpunkte die spätgotische Skulptur bzw. französische Kunst des 18. Jahrhunderts genannt werden. Das hat möglicherweise auch damit zu tun, dass Breker für die Geschichte der Plastik im 20. Jahrhundert nur eine marginale Rolle spielt - er ist ein talentierter, aber wenig origineller, nie wirklich qualitätvoller Bildhauer, der vorwiegend andere Strömungen rezipiert. Seine prominente Rolle in der Kunstgeschichte erwächst einzig daraus, dass sich in seinem Werk - wie in keinem anderen - das nationalsozialistische Menschenbild öffentlich manifestiert.

Verharmlost wird meiner Ansicht nach sehr wohl, wenn etwa Indizien gesammelt werden, die beweisen sollen, dass Breker nicht von Anfang an der NS-Ideologie anhing. Über Brekers Pariser Jahre heißt es im Buch: »Der bunt gemischte, kosmopolitische Freundeskreis Brekers, zu dem Juden, Homosexuelle, eigentlich alle Gruppen gehörten, die später von den Nazis diskriminiert wurden, deutete nicht darauf hin, dass Breker zu diesem Zeitpunkt bereits der nationalsozialistischen Weltanschauung angehangen hätte« (S. 106). Die monumentalen, heroischen, martialischen Männerskulpturen Brekers aus der NS-Zeit werden kurzerhand als Teil einer gesamteuropäischen Strömung interpretiert. Conrades: »Ist dieser Heroismus nun spezifisch faschistisch/nationalsozialistisch oder einfach eine in den 30er/40er Jahren weit verbreitete Auffassung für ›Kunst im öffentlichen Raum‹?« (S. 15). Und was will uns die Ausstellung sagen, wenn auf einer Texttafel die Skulptur »Verwundeter«, die auf ein Foto eines gestürzten französischen Radfahrers zurückgeht, mit den Worten kommentiert wird: »Es erscheint abwegig, dass ein französischer Sportler in der Haltung eines verwundeten rodinschen Denkers die Wiedergabe des arischen Herrenmenschen darstellen soll.«

Regelrecht als Opfer stilisiert wird Breker, wenn im Faltblatt betont wird, dass andere Künstler ihre Nähe zu Hitler »nicht an einer glänzenden Nachkriegskarriere gehindert« hat. Und was sollen die in aller Breite zitierten positiven Äußerungen prominenter Künstlerkollegen sowie die Ansammlung von Brekers späten Prominentenporträts im letzten Ausstellungsraum denn anderes aussagen als: Seht her, wenn solche bedeutenden Zeitgenossen hinter Breker stehen bzw. sich von ihm porträtieren lassen, kann der doch so schlecht nicht sein?

Fazit: Wegen ihrer verbrämten, aber dennoch eindeutigen Tendenz ist diese mit öffentlichen Mitteln geförderte und in einem kommunalen Ausstellungshaus gezeigte Ausstellung ein Skandal. Ich fordere ihre sofortige Schließung!

Heidelberg, 28.07.2006


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