Internationaler Kunstkritikerverband, Sektion der BRD



Kritikerpreis 2005 für Monkiewitsch und Lewandowsky

Lienhard von Monkiewitsch (Jg. 1941) aus Braunschweig und Via Lewandowsky (Jg. 1963) aus Berlin haben den Kritikerpreis für Bildende Kunst 2005 bekommen.

Die undotierten Auszeichnungen, die der Verband der deutschen Kritiker (Berlin) alljährlich vergibt, werden den beiden Künstlern am 16. April im neuen Leipziger Museum der Bildenden Künste überreicht. Gleichzeitig erhalten in Leipzig auch die diesjährigen Kritikerpreisträger in sieben anderen Disziplinen ihre Urkunden. Der Kritikerverband spricht seine Ehrungen seit über 5 Jahrzehnten in den Sparten Architektur, Bildende Kunst, Fernsehen, Film, Literatur, Musik, Tanz und Theater aus.

Der Maler und Kunstprofessor von Monkiewitsch wird von der Jury vor allem wegen seiner konsequenten Auseinandersetzung mit dem „Schwarzen Quadrat“ des russisch-ukrainischen Malers der frühen Moderne, Kasimir Malewitsch, gewürdigt. An dem Pionier der konstruktiv-konkreten Gestaltung begehe er in einem Mix von Bewunderung und Distanz spielerischen Vatermord. Mit der Idee, das suprematistische Rechteck durch Schnitte zu verändern und einer Fülle von optischen Metamorphosen zu unterwerfen, nehme von Monkiewitsch der Kern-Ikone der nichtabbildenden Malerei des 20. Jahrhunderts respektlos die Gestalt.

Der in Dresden geborene Via Lewandowsky, eine Generation jünger als der Braunschweiger Akademieprofessor, hat im Urteil der Jury den Preis besonders deshalb „verdient, weil er kompromisslos, ohne Rücksicht auf Erfolge am Kunstmarkt und weit entfernt von modischen Strömungen, seinen unverwechselbaren Weg fand“. In der DDR habe er sich mit „spielerischen, oft subversiven Aktionen, Performances und Happenings außerhalb des SED-offiziellen Kunstbetriebs“ bewegt. Seine seit Anfang der 1990er Jahre entstandenen Arbeiten, teils gemeinsam mit Pia Lewandowsky, teils mit dem Dichter Durs Grünbein verwirklicht, gehörten „zu den bedeutendsten Beiträgen einer Kunst, die sich kritisch mit der deutscehn Vergangenheit auseinandersetzt“, argumentieren die Juroren.

Die Jury Bildende Kunst begründet die zweifache Vergabe des Preises für 2005 damit, dass beide Künstler jeweils in ihrem Kunstbereich auf vitale Weise innovativ Position bezogen hätten: Monkiewitsch auf dem Feld der oft totgesagten Malerei, Lewandowsky „im erfolgreichen Bemühen um die Erweiterung und Überwindung des Tafelbildes“. Mit ihrer doppelten Entscheidung will die Jury aber auch „den Blick auf Ost und West und auf die Gleichzeitigkeit und Gleichwertigkeit der Bedeutung von ‚Kunst als Kunst’ und ‚Kunst als Antwort auf Politik’“ richten.

Die diesjährigen Preisträger in den 7 anderen Sparten sind die Berliner Architekten Hufnagel Pütz Rafaelian für den Bau des Museums der Bildenden Künste in Leipzig; Thomas Grube und Enrique Sánchez Lansch für ihren Film „Rhythm is it“ in der Sparte Fernsehen; Ayse Polat (Regie) für den Film „En Garde“ (Kategorie Film); das „Deutsche Literaturinstitut Leipzig“ (Sparte Literatur); die Berliner Symphoniker (Musik); die Tänzerin Polina Semionova vom Staatsballett Berlin (Tanz) und der Münchner Sprech- und Musiktheater-Regisseur Jossi Wieler in der Theater-Sparte.

Leipzig, im Februar 2005
WALTER VITT


©  AICA-Sektion der Bundesrepublik Deutschland.  Impressum  /  Emails

Konzept der Website: uinic - Kunst- und Webprojekte, Binder / Haupt