Internationaler Kunstkritikerverband, Sektion der BRD



Horst Richter zum 80. / Von Klaus Honnef

In seine Ägide als Präsident der deutschen Sektion des Internationalen Kunstkritikerverbandes (AICA) fiel ein Höhepunkt ihrer nun auch schon über fünfzig Jahre währenden Geschichte: die Veranstaltung des alljährlichen Weltkongresses der Kunstkritik. Den äußerlichen Anlass lieferte die 6. Documenta 1977 in Kassel. Als Medien-Documenta berühmt geworden, höchst umstritten und von großen Teilen der (west)-deutschen Kunstkritik noch vehementer in den Boden gestampft als ihre Vorgängerin. Der Kongress fand in Köln statt, in gehöriger Distanz zum inkriminierten Ereignis, damals das vitale Zentrum der Gegenwartskunst im Westen Deutschlands. Hier lebt Richter und wirkte als einflussreicher Kunstkritiker für den "Kölner Stadt-Anzeiger".
Das war natürlich nicht der entscheidende Grund, weswegen die AICA der "alten" Bundesrepublik "ihren" Weltkongress drei Jahre, nachdem die AICA der DDR den ersten auf deutschem Boden ausgerichtet hatte, in der Domstadt aufzog. Köln, seine Museen und Galerien boten den entsprechenden Rahmen, das inspirative Klima, das notwendige Interesse und die geeigneten Räumlichkeiten.
So legt der immer noch lesenswerte Sammelband mit dem bezeichnenden Titel "Kunst in den 70er Jahren", den Richter herausgegeben hat, eindrucksvoll Zeugnis vom außergewöhnlichen Niveau der Veranstaltung ab und unterstreicht nachdrücklich, dass dieses Jahrzehnt das Bild der Kunst trotz vieler anders lautender Behauptungen nachhaltiger verändert hat als jedes andere der Nachkriegszeit.
Richter, der in Köln Kunstgeschichte, Theaterwissenschaft und Germanistik (1951-1957) studierte und sein Studium mit der Promotion zum Dr. der Philosophie abschloss, hat als aufmerksamer Beobachter in seiner kunstkritischen Arbeit die Kunst des 20. Jahrhunderts ins Visier genommen, beschrieben, analysiert und kommentiert. Ihr galten zahlreiche Künstlermonographien, darunter über El Lissitzky (1958), Georg Muche (1960), Leo Breuer (1969) und Anton Räderscheidt (1972) und schließlich sein einmal erweitertes "chef d´oeuvre" "Geschichte der Malerei im 20. Jahrhundert" (1974/1985) in bislang 10. Auflage. Unbeschadet eingestandener Sympathie blieb der Blick des Kunstkritikers Horst Richter stets ungetrübt und seine Sprache klar und luzide. Urteile hat er nie gescheut, doch widerstand er jedem Versuch, auf der Glatze des leeren Papiers die Locken aufgeblasener Geschwätzigkeit zu drehen.
Wie er die deutsche AICA durch turbulente Jahre führte, ruhig, humorvoll, gleichwohl entschlossen und mit großer Gelassenheit, ging er seinem kunstkritischen Geschäft nach. Außer im "Kölner Stadt-Anzeiger" erschienen seine instruktiven Ausführungen noch im "General-Anzeiger für Bonn und Umgebung" sowie namentlich im Magazin "Weltkunst". Vor allem hat er sich für konstruktive Tendenzen stark gemacht, ohne sich als säkularer Apostel zu gerieren, und nicht zuletzt für die avancierte Kunst in Ost-Europa, damals meistenteils unterdrückt und im Westen nur bruchstückhaft bekannt. Inzwischen hat Richter sich von der Kunstkritik weitgehend zurückgezogen. Das Fehlen einer Stimme wie seiner ist für die Kunst und ihre Interessenten gleichermaßen schmerzlich. Am 26. Februar feiert Horst Richter seinen 80. Geburtstag. Herzlichen Glückwunsch. Und: ad multos annos.

Ihr KLAUS HONNEF

Bonn, 26.02.2006
Klaus Honnef


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